Das Testosteron und die Frauen: ärgster Feind oder bester Freund?

Von Luise Meyer |

Wenn ihr denkt, dass nur Männer Testosteron haben, liegt ihr falsch. Auch Frauen haben das männliche Sexualhormon im Blut, auch wenn nur in einem geringen Maß. Das Testosteron spielt im Organismus eine wichtige Rolle: vom Aufbau des Muskelgewebes und Muskelmasse bis hin zur Steigerung des Geschlechtstriebs. Darüber hinaus beeinflusst das Hormon die Denkfähigkeit und verbessert die Stimmung.

Wie wirkt sich Testosteron auf Frauen aus?

Das Testosteron wird bei Frauen hauptsächlich in Eierstöcken produziert und dann über das Blut zu verschiedenen Organe gefördert, wo es verschiedene Funktionen übernimmt. Die wichtigste Funktion ist der Muskelaufbau. Durch die Bindung an ein Protein kann das Testosteron zu Muskeln transportiert werden, wo es den Eiweißstoffwechsel beeinflusst und dadurch das Muskelgewebe stärkt.

Insbesondere für Frauen, die ein hohes Osteoporoserisiko haben, könnte das Testosteron positiv wirken, da es die Knochenmasse stärkt und dieses Risiko dementsprechend reduziert. Andere förderliche Effekte auf Zellebene sind die Erhöhung der Stickstoffspeicherung und die Stimulierung der Produktion roter Blutkörperchen. Viele Frauen leiden unter Gewichtsproblemen, die verschiedene Ursachen haben könnten. Was aber weniger Frauen wissen, ist, dass der Testosteronmangel auch ein Grund dafür sein kann. Das Testosteron hilft bei der Reduzierung des Körperfetts und im Falle eines Testosteronmangels ist unser Körper nicht mehr so gut ausgerüstet im Kampf gegen Fett. Auch unsere Haut ist von Testosteron positiv beeinflusst: Das Hormon verstärkt die Spannung und Hautdicke und hilft die Effekte des Alterns zu vermindern. Nicht nur physische Effekte kann man feststellen, auch psychische Effekte weist das Testosteron auf. Da das Testosteron die Antriebskraft erhöht, fühlt man sich energischer und kann dadurch Depressionen vermeiden. Als Nachteil stimuliert das Testosteron ein aggressives, maskulines Verhalten.

Negative Auswirkungen des Testosteronüberschusses bei Frauen

Nicht nur zu wenig Testosteron könnte negative Effekte haben, auch zu viel Testosteron als Frau wirkt sich negativ auf den Körper und auf die Seele einer Frau aus. Eine Erhöhung des Testosterons über die normalen Grenzen kann zu einer Vermännlichung der Frau beitragen. Männliche Merkmale treten auf und viele Frauen leiden unter diesen Symptomen. Insbesondere ist die vermehrte Körperbehaarung, der sogenannten Hirsutismus, sehr lästig. Das feine Flaumhaar im Gesicht wächst viel stärker und auch die Brusthaare sind jetzt auffälliger. Das vermindert das Selbstbewusstsein der Frauen, die sich dadurch weniger begehrenswert fühlen. Andererseits ist der Haarausfall ausgeprägt aber statt der normalen Reduzierung des Haares, stellt es sich in einem typisch männlichen Haarausfallmuster heraus, am Hinterkopf oder Geheimratsecken. Der Testosteronüberschuss bei Frauen kann auch zu verschiedenen anderen problematischen Symptomen beitragen: Akne, unregelmäßiger Zyklus, Virilisierung und es könnte auch zu einer erhöhten psychischen Belastung führen.

Warum wird zu viel Testosteron produziert?

Es ist wissenschaftlich bewiesen, dass zu viel Testosteron als Frau, extrem schädlich sein könnte. Die wichtigste Ursache des Testosteronüberschusses bei Frauen ist das polyzystische Ovarialsyndrom(PCO-Syndrom). Bis zu 15% aller Frauen leiden unter diesem Syndrom, dessen Symptome sehr schwierig zu beseitigen sind. Nicht nur die Periode tritt seltener auf, in den Eierstöcken bilden sich auch Zysten, die Chancen zu einer eventuellen Schwangerschaft erschweren. Andere Gründe, die zu einem Testosteronüberschuss bei Frau führen, sind Bindungsprobleme, ein Mangel an Trägereiweißen oder in anderen Fällen eine genetische Veranlagung. Wenn Tumoren auf Nebennieren, Eierstöcken oder Hypophyse auftreten, weisen diese Organe Störungen auf, die auch manchmal eine hormonelle Veränderung bzw. einen Testosteronüberschuss verursachen könnte. Unser Körper produziert Insulin, um den Zucker aus unserem Blut zu eliminieren. Bei einer Person, die eine Insulinresistenz hat, ist das Insulin ineffizient und somit bleibt der Blutzuckerspiegel immer hoch. Danach folgen die unvermeidlichen Auswirkungen: Übergewicht, Testosteronüberschuss bis zum Diabetes.

Die wichtigsten Methoden um den Testosteronspiegel zu senken

Da zu viel Testosteron als Frau so viele negative Wirkungen hat, hat man versucht Therapien und Medikamente zu entwickeln, die den Testosteronspiegel senken. Um die richtige Therapie zu finden, ist es besonders wichtig, die Ursache des Testosteronüberschusses zu finden .

  • Eine Hormontherapie mit Antiandrogene (Substanzen, die die Bildung und die Effekte der Androgene verhindern) hat sich als sehr effizient erwiesen. Die Antiandrogene haben einen starken Hemmungseffekt und können sogar die Produktion der Hormone in Eierstöcken unterdrücken.

  • Der Spironolacton ist besonders wirksam bei der Regulierung der Hormone in der Nebenniere.

  • Es gibt zusätzlich Substanzen, die keinen direkten Effekt in der hormonalen Produktion haben, und helfen nur, die Wirkung der Androgene am Zielorgan zu reduzieren.

  • Nicht nur teure Medikamente haben eine positive Wirkung, auch die Antibabypille wurde erfolgreich verwendet, um die negativen Effekte des Testosteronüberschusses bei Frauen zu verringern.

  • Andererseits muss man auch die verschieden physischen Wirkungen beseitigen: Körperbehaarung entfernen und den Haarausfall und die Akne vermindern . Diese Methoden helfen aber nur vorübergehend, man muss unbedingt die Ursachen finden und eliminieren.

  • Auch Änderungen in der Ernährung könnten positive Effekte auf hormoneller Ebene haben, und tragen zu einer Senkung des Testosteronspiegels bei.

  • Es ist bekannt, zum Beispiel, dass Sojaprodukte reich in Isoflavone sind, und diese Substanz bei der Hemmung der Testosteronproduktion hilft. Sojaprodukte sind nicht nur gesund, sondern auch überall zu finden: Cerealien, Brot, Tofu oder verschiedene Fleischersatzprodukten. Trotz der positiven Wirkungen könnte ein übertriebener Konsum von Sojaprodukten zu Nebenwirkungen führen: von Magen-Darm Probleme über Störungen der Schilddrüsenfunktion bis zu einem Brustkrebsrisiko.

  • Der Leinsamen hilft auch den Testosteronspiegel zu senken, indem er die Produktion von Östrogen stimuliert.
  • Andere Methoden, die hilfreich sein können, sind die Einschränkung des Fettkonsums , insbesondere der gesättigten Fettsäuren aus tierischen Produkten und die Vermeidung der raffinierten Kohlenhydrate, die viel Zucker enthalten.