Ohrenbluten: Gefahr oder Bagatelle

Von Luise Meyer |

Blut aus dem Ohr kann eine ganz harmlose Erscheinung sein. Aber es sei Vorsicht geboten, wenn es in Kombination mit anhaltenden Schmerzen auftritt, denn dann können schwerwiegendere Ursachen dahinterstecken. Wann sollte man sich also Sorgen machen und was sollte man dagegen unternehmen? Diesen Fragen gehen wir hier nach.

Blut aus dem Ohr: trivial bis zu gefährlich

Oft sind es kleinere Verletzungen, die dazu führen, dass das Ohr blutet. Zum Beispiel falsches Reinigen oder Kratzen des Ohrganges (Abbildung 1). Besonders heimtückisch ist das Reinigen mit Wattestäbchen. Bei kleinen Verletzungen muss kein Arzt aufgesucht werden, Desinfektion des Ohrs ist ausreichend. Dasselbe gilt für das Auftreten von Ekzemen oder Zysten, die zu Blut aus dem Ohr führen. Vorsicht ist jedoch geboten, wenn diese sich ausbreiten oder verschlimmern. Wenn das Blut im Ohr zusammen mit Schmerzen, Schwindelgefühl oder Hör-/Sehstörungen auftritt, dann sollte dringend ein Arzt konsultiert werden.

Wann treten Schmerzen zusammen mit Blut aus dem Ohr auf ?

  • Kopfverletzungen sind sehr ernst zu nehmen, da eine Hirnblutung oder Schädelbasisfraktur vorliegen kann.
  • Ein Explosionstrauma führt meistens zu einem Hörverlust, einem Druckgefühl in den Ohren und Schmerzen. Oft reißt das Trommelfell, was zu blutenden Ohren führt. Auch können Tinnitus (Ohrensausen) und Schwindel auftreten. Das Trauma sollte schnellstmöglich behandelt werden. Die Schwerhörigkeit kann jedoch im schlimmsten Fall bestehen bleiben.
  • Mittelohrentzündungen (Otitis media) entstehen häufig als Eskalation einer Nasen-Rachen-Entzündung. Es ist eine bakterielle Entzündung, bei der Erreger aus der Eustachischen Röhre ins Ohr gelangen, woraufhin die Schleimhäute anschwellen und sich ein Erguss bildet (Abbildung 2). Das Trommelfell kann sich nach außen wölben und reißen, was zu Blut im Ohr führt. Sobald das Trommelfell reißt, lassen die Schmerzen nach. Es ist deshalb wichtig, dass in jedem Fall ein Arzt aufgesucht wird. Nach Einnahme von Antibiotika verschließt sich das Trommelfell meist von alleine.

  • Bei traumatischen Trommelfellperforationen reißt das Trommelfell durch zu hohen Druck, einen Schlag auf das Ohr, einen Kopfsprung, einen harten Wasserstrahl oder einen spitzen Gegenstand im Gehörgang. Die Perforation führt zu Schmerzen, Blut im Ohr und einer Hörverminderung.
  • Eine Gehörgangsentzündung (Otitis externa) beginnt mit einem Juckreiz im Gehörgang und führt zu Schmerzen, die sich beim Kauen oder durch Druck auf das Ohr verstärken. Ebenfalls entsteht ein Ohrenfluss (Otorrhoe), der wässrig, eitrig oder blutig sein kann. Die Entzündung kann durch Viren, Pilze oder Bakterien entstehen. Die Schleimhaut wehrt diese Erreger normalerweise ab, jedoch nicht, wenn sie durch zu häufiges Reinigen beschädigt wurde. Auch häufiges Schwimmen oder eine Allergie kann eine Entzündung auslösen.
  • Das Barotrauma ist auf die Verbindung des Ohrs mit dem Nasen-Rachen-Raum, der Eustachischen Röhre, zurückzuführen. Wenn ein „Druckausgleich" gemacht wird, dann öffnet sich diese Röhre. Dies ist aber nicht möglich, wenn eine Erkältung sie anschwellen lässt. Der verhinderte Druckausgleich kann zum Reißen des Trommelfells führen, was sich durch Schmerzen, Schwindel, Übelkeit und Blut im Ohr äußert. Nasentropfen mit abschwellender Wirkung können ein Barotrauma, zum Beispiel während eines Fluges, verhindern.
  • Ein Ohrfurunkel entsteht aus einer Haarbalgentzündung im Gehörgang, die sich zu einem Abszess entwickelt. Das führt zu Schmerzen und Blut und eventuell auch Eiter aus dem Ohr.
  • Bösartige Tumore im Ohr treten selten auf. Oft sind ältere Menschen betroffen. Tumore, die durch chronische Entzündungen entstehen können, äußern sich durch ein Druckgefühl im Ohr, Hörverlust und Blut im Ohr.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

All die kleineren Verletzungen, bei denen das Ohr blutet, aber nicht schmerzt, sind kein Grund den Arzt aufzusuchen, da sie meist von selbst heilen. Man sollte jedoch dringend zum Arzt gehen, wenn Blut im Ohr auftritt kombiniert mit:

  • Schmerzen/Kopfschmerzen
  • Schwindel
  • verminderter Hör- und/oder Sehfähigkeit
  • Druckgefühl
  • einem Fremdkörper im Gehörgang
  • wiederholtem/ständigem Bluten des Ohrs
  • Fieber, allgemeines Unwohlsein

Der Arzt wird erst ein Gespräch führen (Aufnahme der Anamnese), dann wird er das Ohr untersuchen, indem er es von außen abtastet und dann von innen mit einem Otoskop untersucht. Falls eine Kopfverletzung befürchtet wird, werden auch eine Computertomographie (CT), eine Magnetresonanztomographie (MRI) und/oder eine Röntgenaufnahme gemacht.

Wie kann man Blut im Ohr vorbeugen?

Die einfachste Prävention ist die der korrekten Reinigung. Leider benutzen dazu viele Leute immer noch Wattestäbchen. Dies sollte dringend vermieden werden. Auch bei Juckreiz sollten keine spitzen Gegenstände zum Kratzen verwendet werden. Alternative und sichere Methoden zur Entfernung von Ohrenschmalz sind:

  • die Ohren mit wenig Wasser zu Hause während des Duschens spülen oder, falls nötig, professionell bei einem Hals-Nasen-Ohren Arzt. Nach dem Duschen reicht es die Ohrmuschel sanft mit einem Tuch oder Wattebausch zu reinigen.
  • Ohrenreiniger mit Edelstahl Schleifen.
  • Ohrenschmalz aufweichende Ohrentropfen oder Ohrensprays.

Ferner ist zu beachten, dass Menschen, die von Berufs wegen einem Explosionsrisiko ausgesetzt sind, einen Gehörschutz tragen. Vor Tauchgängen sollte abgeklärt werden, ob die Ohren gesund sind. Sonst können sie einfach beschädigt werden. Wenn mit einer Erkältung eine Flugreise angetreten wird, sollte ein abschwellendes Nasenspray benutzt werden. Regelmäßige Kontrolluntersuchungen mit Blutdruckmessung kann wirkungsvoll einem Trommelfellriss vorbeugen.