Schmerzen im Gesäß: harmlos bis gefährlich

Von Luise Meyer |

Schmerzen in dem Gesäß bei dem Sitzen als auch beim Aufstehen kommen relativ häufig vor, es wird aber selten darüber gesprochen, da es den meisten peinlich ist. Oft werden Gesäßschmerzen auch als Rücken- oder Kreuzschmerzen missverstanden, denn vielen ist nicht bewusst, dass die Gesäßmuskeln oberhalb des Beckens beginnen. Die Ursachen für Schmerzen in dem Gesäß bei dem Sitzen sowie Aufstehen können vielseitig sein und ebenso vielseitig sind die Behandlungsansätze.

Ursachen für Schmerzen im Gesäß

Oft ist eine ungewohnte körperliche Belastung der Gesäßmuskeln Grund für Schmerzen. Sie entstehen durch:

  • einen unangenehmen Fahrradsattel oder Stuhl
  • eine Wanderung
  • langes Sitzen am Schreibtisch oder vor dem Computer
  • Sport ohne angemessene Aufwärmphase

Es können aber auch Erkrankungen zu Schmerzen in dem Gesäß beim Sitzen sowie Aufstehen führen:

  • Piriformis-Syndrom : Überbeanspruchungen wie Ausdauerlaufen, schweres Heben oder falsches Bücken, aber auch Verletzungen wie ein Sturz auf das Gesäß können zur Verhärtung und Schwellung des Gesäßmuskels (musculus piriformis) führen. Da sich der Ischiasnerv direkt unter dem Gesäßmuskel befindet, reizt der geschwollene Muskel den Nerv, was Schmerzen im Gesäß auslöst.
  • Gereizte oder geschädigte Wurzeln des Ischias führen zu einer Ischialgie oder Lumboischialgie. Diese äußern sich durch Gesäß- und Bein-Schmerzen, entlang der seitlichen Hosennaht. Das kann von Kribbeln und/oder Taubheitsgefühl eines bestimmten Hautbereichs oder einer Schwächung bestimmter Beinmuskeln begleitet sein. Der Ischiasnerv kann auch durch einen Bandscheibenvorfall oder knöcherne Sporne der Wirbelsäule gereizt werden, herbeigeführt durch deren Verschleiß oder allgemeine Krankheiten des Knochensystems.
  • Hüftgelenkentzündung : eine äußerst schmerzhafte Erkrankung, durch die die Bewegungsfähigkeit stark eingeschränkt wird. Unbehandelt können bleibende Schäden am Hüftgelenk entstehen.
  • Entzündlich-rheumatische Erkrankungen : diese Erkrankungen sind glücklicherweise selten. Am bedeutendsten ist hier der Morbus Bechterew (Abbildung 2). Die Ursachen für diese Erkrankung sind bis heute unbekannt. Es wird jedoch vermutet, dass eine Fehlfunktion des Immunsystems zur Erkrankung beiträgt. Es handelt sich um eine Entzündung der Gelenke und kann im schlimmsten (aber auch im seltenen) Fall zur vollständigen Verknöcherung der gesamten Wirbelsäule führen. Die Erkrankung erscheint meistens zwischen der Pubertät und 45. Lebensjahr und verläuft in Schüben.

  • Abszess : Abszesse sind die Folge einer bakteriellen Infektion im Beckenraum, Gesäß oder Oberschenkel ausgelöst durch eine Injektion in den Gesäßmuskel, einen eingedrungenen Fremdkörper oder eine Infektion an der Wirbelsäule. Glücklicherweise kommen sie relativ selten vor. Eine spezielle Form eines Abszesses ist eine Steißbeinfistel. Dies ist ein Granulom (Geschwulst aus Granulationsgewebe), das sich zum Beispiel um ein eingewachsenes Haar bilden kann. Steißbeinfisteln sind sehr schmerzhaft und müssen, wie auch Abszesse, oft operativ entfernt werden.
  • Auch selten kommt eine Fibromyalgie vor. Ihre Symptome sind chronische Schmerzen abwechselnd in der Muskulatur, um die Gelenke und im Rücken. Dazu kommen Begleiterscheinungen wie ständige Müdigkeit. Diese Erkrankung ist leider nicht heilbar.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Bei leichten, transienten Schmerzen, wie zum Beispiel Muskelkater, ist es unnötig, einen Arzt aufzusuchen. Die Schmerzen werden mit der Zeit von alleine verschwinden. Doch man sollte sehr vorsichtig sein mit Gesäßschmerzen, denn sie können auf schwerwiegendere Ursachen deuten und sollten deshalb ernst genommen werden. Wenn die Schmerzen also grundlos auftreten und nicht von alleine verschwinden, sollte man alarmiert sein. Ein Arzt sollte dringend aufgesucht werden, wenn die Gesäßschmerzen:

  • plötzlich auftreten, ohne dass zuvor Sport getrieben wurde.
  • nach einem Unfall oder einem Sturz auftreten.
  • nach dem Aufstehen erscheinen und/oder die Gelenke nach dem Aufstehen steif sind.
  • zusammen mit Schüttelfrost und Fieber vorkommen, da dies ein Indiz für eine bakterielle Infektion sein kann. Eventuell hat sich bereits ein Abszess gebildet, der unbehandelt sogar zu einer Blutvergiftung (Sepsis) führen kann.
  • mit ständiger Müdigkeit und Erschöpfung kombiniert sind, da dies auf eine Fibromyalgie hinweisen könnte.

Welche Therapien können zur Behandlung angewendet werden?

Da die Ursachen für Gesäßschmerzen vielerlei sein können, müssen auch die Therapien divers sein. Es ist wichtig, dass sich die Therapie nach der Ursache richtet. Mögliche Behandlungen können sein:

  • das Einnehmen von Schmerzmitteln . Hier werden meist entzündungshemmende nicht-steroidale Schmerzmittel (NSAR) gewählt.
  • Ruhe und Kühlung . Das hilft sehr gut bei kleineren Verletzungen.
  • Wärmebehandlung . Wärme ist sehr empfehlenswert bei Muskelverletzungen, wie Zerrungen.
  • Krankengymnastik/Physiotherapie . Sie werden dann angewendet, wenn den Schmerzen ein funktionelles Problem zugrunde liegt. Bei einer Fehlhaltung ist Physiotherapie äußerst hilfreich, da sie den Betroffenen nicht nur Linderung verschafft, sondern die angewendeten Übungen den Patienten auch eine verbesserte Körperhaltung vermitteln. Physiotherapie wird auch als Behandlung von Morbus Bechterew eingesetzt, um die Beweglichkeit zu erhalten.
  • Elektrotherapie . Sie kann gut hartnäckige Verspannungen lösen.
  • eine Operation . Dies ist nur in seltenen Fällen eine Lösung, wird aber meist angewendet, wenn ein Abszess vorliegt.

Was kann man vorbeugend gegen Gesäßschmerzen tun?

Regelmäßige Bewegung und gezielte Übungen verhindern Gesäßschmerzen. Diese Übungen sind empfehlenswert:

  • Überspannung im Gesäß abbauen. Auf dem Rücken liegend sollte das rechte Bein angewinkelt werden und eine Schlaufe über den rechten Fuß gelegt werden. Mit der Schlaufe zieht man nun den Fuß zur linken Schulter hin.
  • Dehnen der Vorderseite . Im schulterbreiten Stand, die Füße parallel und die Hände am Gesäß werden die Leisten nach vorne geschoben. Der Kopf sollte in die Überstreckung mit eingebunden werden.
  • Faszien-Massage mit Kugeln . Die Kugeln, platziert unter dem Gesäß, sollen die druckempfindlichen Muskeln mit kleinen spiralförmigen Bewegungen massieren. Darüber hinaus wirkt Aufwärmen vor dem Sport gegen Gesäßschmerzen. Bei längerer Sitzdauer sollte man zwischendurch immer mal wieder aufstehen.